{"id":1721,"date":"2022-07-13T12:32:08","date_gmt":"2022-07-13T10:32:08","guid":{"rendered":"https:\/\/gpkh.eu\/?p=1721"},"modified":"2022-07-13T12:27:08","modified_gmt":"2022-07-13T10:27:08","slug":"newsletter-2022-11-anwendbarkeit-des-lebensmittelsicherheitskriteriums-1-2-der-verordnung-ueber-mikrobiologische-kriterien-auf-in-verkehr-gebrachte-erzeugnisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpkh.eu\/en\/newsletter-2022-11-anwendbarkeit-des-lebensmittelsicherheitskriteriums-1-2-der-verordnung-ueber-mikrobiologische-kriterien-auf-in-verkehr-gebrachte-erzeugnisse\/","title":{"rendered":"Newsletter 2022\/11 &#8211; Anwendbarkeit des Lebensmittelsicherheitskriteriums 1.2  der Verordnung \u00fcber mikrobiologische Kriterien auf  in Verkehr gebrachte Erzeugnisse"},"content":{"rendered":"<section class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row row_bg=&#8221;gradient-bottom&#8221;][vc_column][dhsv_vc_header_content_page color_theme=&#8221;light&#8221; link=&#8221;url:https%3A%2F%2Fgpkh.eu%2Fnews%2F|title:Zur%C3%BCck&#8221;]<\/p>\n<h1>Newsletter 2022\/11 \u2013 Anwendbarkeit des Lebensmittelsicherheitskriteriums 1.2<br \/>\nder Verordnung \u00fcber mikrobiologische Kriterien auf<br \/>\nin Verkehr gebrachte Erzeugnisse<\/h1>\n<p>[\/dhsv_vc_header_content_page][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column width=&#8221;2\/3&#8243;][vc_empty_space height=&#8221;55px&#8221;][vc_column_text]Mit Urteil vom 30.\u00a0Juni 2022 (Rechtssache C-51\/21) hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof eine wichtige Entscheidung zum Verst\u00e4ndnis der Lebensmittelsicherheitskriterien im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 2073\/2005 \u00fcber mikrobiologische Kriterien f\u00fcr Lebensmittel getroffen.<\/p>\n<p>Konkret betrifft das Vorabentscheidungsersuchen die Auslegung von Art.\u00a03 Abs.\u00a01 in Verbindung mit dem Lebensmittelsicherheitskriterium 1.2 nach Anhang\u00a0I Kapitel\u00a01 der genannten Verordnung.<\/p>\n<p>Das Urteil schlie\u00dft eine L\u00fccke bei der Anwendung des Sicherheitskriteriums 1.2 zum pathogenen Keim <em>Listeria monocytogenes<\/em>, die in F\u00e4llen auftritt, in denen ein Lebensmittel bereits in Verkehr ist, so dass der Grenzwert \u201e0 in 25 g\u201c nicht unmittelbar greift, und der Hersteller nicht zur Zufriedenheit seiner Beh\u00f6rde nachweisen kann, dass seine Produkte den Grenzwert von 100 KbE\/g\u00a0 w\u00e4hrend der gesamten Haltbarkeit einhalten.<\/p>\n<p>Im Ausgangsverfahren entnahm eine estnische Beh\u00f6rde in einem Einzelhandelsgesch\u00e4ft Proben bestimmter Produkte auf Basis von Lachs und Forelle. Da bei der Untersuchung der Proben\u00a0<em>Listeria monocytogenes\u00a0<\/em>nachgewiesen wurden, erlie\u00df die estnische Beh\u00f6rde die Anordnung, die Herstellung dieser Produkte anzuhalten, s\u00e4mtliche Chargen zur\u00fcckzurufen und die Verbraucher \u00fcber diesen R\u00fcckruf zu informieren. Das betroffene Unternehmen erhob Klage auf Nichtigerkl\u00e4rung der beh\u00f6rdlichen Anordnungen und machte geltend, dass die estnische Beh\u00f6rde nicht berechtigt gewesen sei, auf in einem Einzelhandelsgesch\u00e4ft entnommene Proben den in Anhang\u00a0I Kapitel\u00a01 Nr.\u00a01.2 der Verordnung Nr.\u00a02073\/2005 vorgesehenen Grenzwert anzuwenden, nach dem in 25\u00a0g des betreffenden Lebensmittels der pathogene Keim\u00a0<em>Listeria monocytogenes<\/em>\u00a0nicht nachweisbar sein darf.<\/p>\n<p>Das Vorabentscheidungsersuchen des vorlegenden estnischen Gerichts zielt auf die Frage, wie Art.\u00a03 Abs.\u00a01 in Verbindung mit Anhang\u00a0I Kapitel\u00a01 Nr.\u00a01.2 der Verordnung Nr.\u00a02073\/2005 auszulegen ist, wenn ein Hersteller der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde nicht zufriedenstellend im Sinne der Fu\u00dfnote 5 des Sicherheitskriteriums nachweisen kann, dass seine Lebensmittel w\u00e4hrend ihrer gesamten Haltbarkeitsdauer den Grenzwert von 100\u00a0KbE\/g nicht \u00fcberschreiten, und die untersuchte Lebensmittelprobe im Einzelhandel entnommen wurde.<\/p>\n<p>Der EuGH stellt fest, dass eine Situation wie die des Ausgangsverfahrens, wo ein Lebensmittel, f\u00fcr das der Hersteller der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde nicht zufriedenstellend nachweisen kann, dass der Grenzwert von 100\u00a0KbE\/g w\u00e4hrend der gesamten Haltbarkeitsdauer nicht \u00fcberschritten wird, bereits in den Verkehr gebracht wurde, von den genannten Bestimmungen nicht erfasst ist.<\/p>\n<p>Nach Auffassung des Gerichtshofs ist f\u00fcr die betreffenden Lebensmittel, die w\u00e4hrend ihrer Haltbarkeitsdauer in den Verkehr gebracht wurden, mit Blick auf den Nachweis von\u00a0<em>Listeria monocytogenes<\/em> auch der Grenzwert \u201e0 in 25 g\u201c nicht anwendbar, da diese nicht mehr der \u201eunmittelbaren Kontrolle\u201c des Herstellers unterliegen.<\/p>\n<p>Der Gerichtshof fordert, dass in einem solchen Fall der Hersteller zun\u00e4chst davon absehen muss, diese Erzeugnisse weiter in den Verkehr zu bringen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus weist der EuGH darauf hin, dass die Verordnung Nr.\u00a02073\/2005 zum Ziel hat, die Sicherheit der Lebensmittel w\u00e4hrend ihrer gesamten Haltbarkeitsdauer, aber auch ein hohes Schutzniveau der menschlichen Gesundheit zu gew\u00e4hrleisten. Zu diesem Zweck belasse Art.\u00a01 der Verordnung der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde ein weites Ermessen, um intensivere Lebensmittelkontrollen zur \u00dcberpr\u00fcfung der Einhaltung der in dieser Verordnung festgelegten Regeln und Kriterien durchzuf\u00fchren (vgl. auch das Urteil vom 12.\u00a0September 2019, A u.\u00a0a., C-347\/17, EU:C:2019:720, Rn.\u00a069). Zwar lege die Verordnung Nr. 2073\/2005 die mikrobiologischen Kriterien fest, die Lebensmittel auf allen Stufen der Lebensmittelkette einhalten m\u00fcssen, doch enthalte sie keine Vorschriften \u00fcber die Ma\u00dfnahmen, die die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde ergreifen kann, nachdem Lebensmittel unter Versto\u00df gegen diese Kriterien in den Verkehr gebracht wurden.<\/p>\n<p>In diesem Kontext ist nach Auffassung des EuGH die Verordnung Nr.\u00a0178\/2002 heranzuziehen, deren Art.\u00a014 Abs.\u00a08 den zust\u00e4ndigen nationalen Beh\u00f6rden die Befugnis einr\u00e4umt, \u201egeeignete Ma\u00dfnahmen\u201c zu treffen, um Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr das Inverkehrbringen von Lebensmitteln zu verf\u00fcgen oder deren R\u00fccknahme vom Markt zu verlangen, wenn, obwohl sie den f\u00fcr sie geltenden spezifischen unionsrechtlichen Bestimmungen entsprechen, nach Ansicht der Beh\u00f6rden objektiv der begr\u00fcndete Verdacht besteht, dass diese Lebensmittel nicht sicher sind. Diese Bestimmung sei angesichts der Rolle, die sie f\u00fcr das Erreichen eines hohen Schutzniveaus f\u00fcr die Gesundheit des Menschen und die Verbraucherinteressen spielt, weit auszulegen.<\/p>\n<p>Somit kann nach Auffassung des EuGH die Anwendung des Grenzwertes \u201e0 in 25 g\u201c auf Lebensmittel, die in den Verkehr gebracht wurden, eine \u201egeeignete Ma\u00dfnahme\u201c im Sinne von Art.\u00a014 Abs.\u00a08 der Verordnung Nr.\u00a0178\/2002 darstellen, wenn der Hersteller nicht zur Zufriedenheit der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde nachweisen kann, dass seine Produkte w\u00e4hrend der gesamten Haltbarkeit den Grenzwert von 100 KbE\/g nicht \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p>Im Ergebnis wurden also die weitreichenden Anordnungen der Beh\u00f6rde vom EuGH best\u00e4tigt, und zwar nicht in unmittelbarer Anwendung des Grenzwertes \u201e0 in 25 g\u201c, sondern in mittelbarer Anwendung in Verbindung mit dem allgemeinen Lebensmittelsicherheitsrecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Urteil des EuGH ist abrufbar unter: <u><a href=\"https:\/\/322189.seu2.cleverreach.com\/c\/73487616\/d0c24be438-reycyu\">hier klicken<\/a>.<\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Haftungsausschluss: Obgleich dieser Informationsbrief sorgf\u00e4ltig erstellt wurde, kann keine Haftung f\u00fcr Fehler oder Auslassungen \u00fcbernommen werden. Dieser Informationsbrief stellt keinen anwaltlichen Rechtsrat dar und ersetzt keine auf den Einzelfall bezogene anwaltliche Beratung. Hierf\u00fcr stehen die Rechtsanw\u00e4lte unseres B\u00fcros zur Verf\u00fcgung.<\/strong><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][vc_empty_space height=&#8221;15px&#8221;][vc_row_inner][vc_column_inner width=&#8221;2\/12&#8243;][\/vc_column_inner][vc_column_inner width=&#8221;10\/12&#8243;][\/vc_column_inner][\/vc_row_inner][vc_empty_space][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/3&#8243;][vc_empty_space height=&#8221;55px&#8221; tablet_height=&#8221;Prof. Dr. Markus Grube, Rechtsanwalt, Gummersbach&#8221; mobile_height=&#8221;Prof. Dr. Markus Grube, Rechtsanwalt, Gummersbach&#8221;][vc_column_text]<strong>Newsletter vom:<\/strong><\/p>\n<p>13.07.2022<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Redaktion:<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Markus Grube[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_empty_space height=&#8221;35px&#8221; mobile_height=&#8221;25px&#8221; tablet_height=&#8221;25px&#8221;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][dhsv_vc_template_element template_id=&#8221;786&#8243;][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Urteil vom 30. 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